ESG-Datenerfassung automatisieren in 2025: Der Weg von manuellen Prozessen zur intelligenten Lösung

Executive Summary

Die ESG-Datenerfassung steht vor einem Paradigmenwechsel: Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) werden EU-weit zahlreiche Unternehmen detaillierte Nachhaltigkeitsdaten erfassen – eine massive Ausweitung bisheriger Anforderungen. Manuelle Excel-Prozesse stoßen an ihre Grenzen, während KI-gestützte Plattformen die Erfassung durch automatisierte Datenextraktion, intelligente Validierung und Cloud-basierte Integration revolutionieren. Erfolgreiche Implementierung erfordert einen strukturierten Ansatz mit klarem Change Management. Unternehmen, die ESG-Datenerfassung strategisch angehen, wandeln regulatorische Pflicht in Wettbewerbsvorteil um.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Herausforderung: Warum ESG-Datenerfassung so komplex ist
  2. Technologische Lösungen: KI als Gamechanger
  3. Die 6-Layer ESG-Datenarchitektur
  4. Best Practices der Implementierung
  5. Ausblick: Die Zukunft der ESG-Datenerfassung
  6. Fazit: Von der Pflicht zum Wettbewerbsvorteil

Die Herausforderung: Fragmentierte Daten in einer komplexen Regulierungslandschaft

Das neue regulatorische Umfeld

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der Europäischen Union markiert einen Wendepunkt in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ab 2024 werden schrittweise mehr Unternehmen in der EU zur detaillierten Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet – eine erhebliche Ausweitung gegenüber bisherigen Anforderungen. Eine Analyse von PwC zeigt, dass sich die Zahl der berichtspflichtigen Unternehmen durch die CSRD von bisher rund 11.600 auf etwa 49.000 erhöht (PwC, 2023).

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bilden den inhaltlichen Rahmen der Berichterstattung. Sie definieren mehrere hundert qualitative und quantitative Datenpunkte, die Unternehmen systematisch erfassen müssen. Obwohl der endgültige Umfang einiger Details erst durch begleitende Rechtsakte und den Umsetzungsstand in den Mitgliedstaaten konkretisiert wird, ist klar, dass die Anforderungen umfassender und datenintensiver ausfallen als unter der bisherigen NFRD.

Der Preis manueller Prozesse

Trotz fortschreitender Digitalisierung verlassen sich viele Organisationen bei der ESG-Datenerfassung weiterhin auf manuelle, tabellenbasierte Prozesse. Befragungen zeigen, dass Unternehmen genau hier an Grenzen stoßen: Laut PwC berichten 55 % der Unternehmen, dass Datenqualitätsprobleme zu den größten Herausforderungen im CSRD-Reporting gehören (PwC, 2024a).

Die Konsequenzen manueller Prozesse sind erheblich: hoher Zeitaufwand, Fehleranfälligkeit, fehlende Nachvollziehbarkeit und Schwierigkeiten bei der prüfungssicheren Dokumentation. Die PwC-Ergebnisse belegen, dass Unternehmen zunehmend technologische Lösungen als notwendig ansehen, um die steigenden Anforderungen zu erfüllen und die Qualität der Nachhaltigkeitsdaten sicherzustellen (PwC, 2024a).

Die Fragmentierung der Datenlandschaft

Eine zusätzliche Studie zeigt, dass bereits heute viele Unternehmen mit unvollständigen und verteilten ESG-Daten kämpfen: Rund zwei Drittel der deutschen Unternehmen haben ihre Gap-Analyse zur CSRD-Erfüllung begonnen, stoßen jedoch vor allem auf Herausforderungen bei Datenverfügbarkeit und -integration (PwC, 2024b).

Dies deckt sich mit der praktischen Erfahrung vieler Organisationen: ESG-relevante Daten stammen aus unterschiedlichen Systemen – ERP, HR, Facility-Management, Produktionsanlagen oder Lieferkettentools – und liegen oft in verschiedenen Formaten vor. Die Fragmentierung erhöht den Aufwand und erschwert die Berichtsqualität, weshalb Unternehmen verstärkt zentrale Datenplattformen und API-basierte Integrationen nutzen.

Technologische Lösungen: KI als Gamechanger

Der technologische Reifegrad

Künstliche Intelligenz und Automatisierung bieten fundamentale Lösungen für die ESG-Datenerfassung. Die Technologie hat einen Reifegrad erreicht, der weit über einfache Digitalisierung hinausgeht. Moderne KI-Systeme erfassen nicht nur Daten, sondern verstehen Zusammenhänge, identifizieren Anomalien und lernen kontinuierlich aus Mustern. Der Markt für ESG-Software entwickelt sich dynamisch, mit einer wachsenden Zahl spezialisierter Anbieter, die KI-gestützte Lösungen entwickeln.

Automatisierte Datenerfassung: Von der Quelle zum Dashboard

Der erste und zeitintensivste Schritt im ESG-Reporting ist die Datenerfassung selbst. Energieverbrauchsdaten müssen aus Zählerständen und Rechnungen extrahiert werden. Wasserverbrauch, Abfallmengen, Transportkilometer – all diese Datenpunkte liegen oft in unstrukturierten Formaten vor: PDF-Rechnungen, gescannte Dokumente, E-Mail-Anhänge.

API-Integrationen ermöglichen direkte Anbindungen an Energieversorger, Tankkarten-Anbieter oder IoT-Sensoren für Echtzeit-Datenströme. Moderne Machine-Learning-Modelle und Frameworks wie Docling erkennen nicht nur Text, sondern verstehen die Struktur von Dokumenten, identifizieren relevante Datenfelder auch bei variierenden Layouts und ordnen extrahierte Werte automatisch den richtigen Kategorien zu. Einen aktuellen Vergleich verschiedener Frameworks gibt es hier: PDF-Datenextraktion Benchmark 2025: Vergleich von Docling, Unstructured und LlamaParse für Dokumentenverarbeitungsprozesse.

In der Praxis bedeutet dies: Energierechnungen von dutzenden Standorten werden automatisch eingelesen, Verbrauchswerte extrahiert, nach Energieträgern kategorisiert und in standardisierte Einheiten umgerechnet. Was früher Tage manueller Arbeit erforderte, geschieht in Minuten – ohne die typischen Tippfehler menschlicher Dateneingabe. Ein konkretes Beispiel liefert die KION Group, die durch Automatisierung der Kraftstoffverbrauchserfassung eine Zeitersparnis von 85% und eine Datenqualität von 99,5% erreichen konnte (Javanmard, 2025).

Intelligente Datenkonsolidierung und Validierung

Nach der Erfassung folgt die Konsolidierung: Daten aus unterschiedlichen Systemen müssen harmonisiert, auf Konsistenz geprüft und aggregiert werden. Machine-Learning-Algorithmen erkennen Muster und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Datenquellen, identifizieren Duplikate automatisch und harmonisieren Datenformate. Wenn ein Standort Energieverbrauch in Kilowattstunden meldet, ein anderer in Megajoule und ein dritter in britischen Wärmeeinheiten (BTU), konvertiert das System automatisch in eine einheitliche Zieleinheit – eine essenzielle Voraussetzung für die standardisierte Berichterstattung.

Besonders wertvoll ist die automatisierte Plausibilitätsprüfung. KI-Systeme lernen typische Verbrauchsmuster und schlagen Alarm bei Anomalien: Wenn ein Standort plötzlich doppelten Energieverbrauch meldet, wird dies automatisch zur Überprüfung markiert. Zeitreihenanalysen erkennen ungewöhnliche Trends, Ausreißer-Erkennung identifiziert statistische Anomalien, und Cross-Validierung gleicht Daten aus verschiedenen Quellen ab. Diese automatisierten Validierungsmechanismen erhöhen nicht nur die Datenqualität, sondern erfüllen auch die strengen Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit, die die CSRD vorschreibt (Europäische Kommission, 2022).

Predictive Analytics und Forecasting

Fortgeschrittene KI-Systeme gehen über reine Datenerfassung hinaus und bieten vorausschauende Analysen. Basierend auf historischen Daten und externen Faktoren können sie zukünftige ESG-Kennzahlen prognostizieren, steigende CO2-Preise besser navigieren, Risiken antizipieren und Optimierungspotenziale aufzeigen. Diese Fähigkeiten verwandeln ESG-Reporting von einer rückwärtsgerichteten Compliance-Übung in ein strategisches Steuerungsinstrument, das Unternehmen dabei unterstützt, die geforderten Nachhaltigkeitsziele proaktiv zu erreichen.

Die 6-Layer ESG 4.0 Architektur: Vom Datenchaos zur Compliance

Die Komplexität der ESG-Datenerfassung erfordert einen systematischen Architekturansatz. Die folgende 6-Layer-Struktur zeigt, wie führende Unternehmen ihre ESG-Datenprozesse organisieren können – von der operativen Datenquelle bis zum fertigen Stakeholder-Report:

EcoFlow 6-Layer ESG 4.0 Architektur zum Thema ESG-Datenerfassung

Die sechs Ebenen im Detail:

  • Layer 6 – Operational Data Sources (Datenursprung)

An der Basis stehen die operativen Datenquellen, die die Rohdaten liefern:

Energy & Facilities: Energieverbrauchsdaten aus Gebäudemanagementsystemen
Production: Produktionsdaten, Maschinenauslastung, Ausschuss
HR: Mitarbeiterdaten, Diversitätskennzahlen, Weiterbildung
Environment: Emissionsmessungen, Abfallmanagement, Wasserverbrauch
Supply Chain: Lieferantendaten, Transportemissionen
Health & Safety: Arbeitsunfälle, Sicherheitstrainings

Praxisherausforderung: Diese Daten liegen in unterschiedlichen Formaten vor – von IoT-Sensoren über ERP-Systeme bis zu manuellen Excel-Listen.

  • Layer 5 – Integration & Aggregation (Datenquelle)

Hier werden die fragmentierten Daten konsolidiert:

Analytics Platform (Data Hub): Zentrale Datendrehscheibe
ERP-Integration: Anbindung an SAP, Oracle, Microsoft Dynamics
Data Lakes: Speicherung strukturierter und unstrukturierter Rohdaten
Master Data Management: Einheitliche Stammdatenstrukturen für Standorte, Organisationseinheiten, Emissionsfaktoren

Technologischer Enabler: Cloud-basierte Integrationsplattformen mit ETL-Pipelines ermöglichen automatisierte Datenflüsse in Echtzeit.

  • Layer 4 – Processing & Calculation (Werkzeug)

Die eigentliche Verarbeitungslogik transformiert Rohdaten in berichtsfähige Kennzahlen:

ESG Platform: Spezialisierte Software für ESG-Berechnungen
Carbon Tools: GHG-Protocol-konforme CO2-Berechnung
Supply Chain Risk Tools: Bewertung von Lieferantenrisiken
Taxonomy Calculator: Automatische EU-Taxonomie-Klassifizierung

KI-Einsatz: Machine Learning optimiert Emissionsfaktoren, identifiziert Ausreißer und schließt Datenlücken durch intelligente Imputierung.

  • Layer 3 – Standards & Requirements (Regelwerk)

Diese Ebene definiert die Compliance-Anforderungen:

ESRS: European Sustainability Reporting Standards unter der CSRD
EU Taxonomy TSC/DNSH: Technical Screening Criteria und Do No Significant Harm-Prinzipien
CBAM Product Rules: Carbon Border Adjustment Mechanism-Vorgaben
CSDDD Due Diligence: Lieferkettensorgfaltspflichten
Internal Standards: Unternehmenseigene KPIs und Ziele

Dynamische Herausforderung: Diese Regelwerke entwickeln sich kontinuierlich weiter – Systeme müssen regelmäßig aktualisiert werden.

  • Layer 2 – Output (Berichtsformat)

Aus den verarbeiteten Daten entstehen verschiedene Outputs:

CSRD Report: Nachhaltigkeitserklärung nach EU-Standard
EU-Taxonomy Reporting: Taxonomie-konforme Offenlegung
CBAM Filing: Grenzausgleichsmechanismus-Meldungen
CSDDD Report: Sorgfaltspflichtenberichte
Internal Dashboards: Management-Cockpits mit Echtzeit-KPIs
Audit Trail: Vollständige Dokumentation für Wirtschaftsprüfer

Best Practice: Template-basierte Berichterstellung mit XBRL-Tagging für digitale Einreichungen.

  • Layer 1 – Stakeholder (Zielgruppe)

Die oberste Ebene adressiert die verschiedenen Berichtsempfänger:

Sustainability & Finance: Interne Steuerung und Strategieentwicklung
C-Suite: Vorstandsberichterstattung
Procurement & Legal: Lieferantenmanagement und Compliance
Audit: Wirtschaftsprüfer und interne Revision
Investors & Regulators: Kapitalgeber und Aufsichtsbehörden

Erfolgsfaktor: Stakeholder-spezifische Aufbereitung derselben Datengrundlage – von hochaggregiert für den Vorstand bis granular für Auditoren.

Die beschriebene Architektur mag theoretisch wirken, doch sie bildet die Realität erfolgreicher ESG-Implementierungen ab. Viele Unternehmen, die als Vorreiter im ESG-Bereich gelten, implementieren diese Layer-Struktur bereits erfolgreich in ihre Strategie, u.a. die KION Group (siehe Case Study).

Best Practices der Implementierung

Schritt 1: Stakeholder-Alignment und Zielsetzung

Erfolgreiche ESG-Automatisierung beginnt nicht mit Technologie, sondern mit klarer strategischer Ausrichtung. Definieren Sie zunächst, welche Reporting-Anforderungen erfüllt werden müssen: CSRD, EU-Taxonomie, ESG-Ratings und weitere Rahmenwerke. Identifizieren Sie alle relevanten Stakeholder – von der Nachhaltigkeitsabteilung über IT und Controlling bis zu operativen Einheiten – und klären Sie deren Anforderungen. Legen Sie messbare Ziele fest: Reduzierung des manuellen Aufwands, Verbesserung der Datenqualität, Beschleunigung der Reporting-Zyklen.

Schritt 2: Daten-Inventur und Gap-Analyse

Bevor Sie automatisieren können, müssen Sie verstehen, welche Daten wo vorhanden sind. Führen Sie eine umfassende Bestandsaufnahme durch: Welche ESG-Datenpunkte werden bereits erfasst? In welchen Systemen liegen sie? In welcher Qualität und Granularität? Wo bestehen Lücken? Diese Gap-Analyse zeigt, welche neuen Datenquellen erschlossen werden müssen und wo die Datenqualität verbessert werden muss.

Schritt 3: Pilotierung und iteratives Vorgehen

Starten Sie nicht mit einer riesigen Implementierungsoffensive über alle Standorte und Datenpunkte hinweg. Wählen Sie stattdessen einen überschaubaren Pilotbereich: beispielsweise Energiedaten von fünf Standorten oder eine spezifische Kategorie wie Scope-1-Emissionen. Testen Sie Technologie und Prozesse im kleinen Maßstab, lernen Sie schnell aus Herausforderungen und skalieren Sie schrittweise. Dieser iterative Ansatz minimiert Risiken, ermöglicht kontinuierliche Verbesserung und schafft ein Momentum, das alle Stakeholder mitzieht.

Schritt 4: Change Management und Training

Technologie allein garantiert keinen Erfolg. Mitarbeiter müssen neue Systeme verstehen, akzeptieren und korrekt nutzen. Investieren Sie in umfassendes Training, kommunizieren Sie den Mehrwert der Automatisierung klar, adressieren Sie Bedenken proaktiv und binden Sie alle Mitarbeiter ein. Benennen Sie ESG-Data-Champions in verschiedenen Abteilungen, die als Multiplikatoren fungieren und lokale Unterstützung bieten.

Schritt 5: Kontinuierliche Optimierung

ESG-Datenerfassung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Regulatorische Anforderungen entwickeln sich weiter, neue Datenquellen werden verfügbar und Technologie verbessert sich. Etablieren Sie Mechanismen für regelmäßige Reviews: Werden die gesetzten Ziele erreicht? Wo bestehen Optimierungspotenziale? Wie entwickeln sich Best Practices in der Branche? Nutzen Sie diese Erkenntnisse für die kontinuierliche Verbesserung.

Ausblick: Die Zukunft der ESG-Datenerfassung

Echtzeit-ESG-Monitoring

Die Zukunft gehört dem Echtzeit-Monitoring von ESG-Kennzahlen. Während heute die meisten Unternehmen quartalsweise oder jährlich berichten, ermöglichen IoT-Sensoren, Smart Meters und direkte Systemintegrationen künftig die kontinuierliche Überwachung. Energieverbrauch, Wassernutzung oder Produktionsemissionen werden in Echtzeit erfasst, analysiert und visualisiert. Dies erlaubt nicht nur schnellere Entscheidungen, sondern auch proaktives Management: Anomalien werden sofort erkannt, Gegenmaßnahmen können unmittelbar eingeleitet werden.

Blockchain für Transparenz und Vertrauen

Blockchain-Technologie verspricht unveränderbare, transparente Aufzeichnungen von ESG-Daten entlang komplexer Lieferketten. Ein Produkt könnte seinen vollständigen ESG-Fußabdruck vom Rohstoff bis zum Endkunden dokumentieren, wobei jeder Schritt kryptographisch gesichert ist. Dies adressiert ein zentrales Problem der Scope-3-Berichterstattung: die Verifizierung von Lieferantendaten. Obwohl die Technologie noch am Anfang steht, könnten Blockchain-basierte ESG-Datenmanagementsysteme künftig zum Standard werden.

Standardisierung und Interoperabilität

Mit zunehmender Reife des ESG-Reporting-Ökosystems werden Standards für den Datenaustausch und die Interoperabilität entstehen. Initiativen wie das Value Reporting Foundation’s Digital Reporting Project oder die Global Reporting Initiative’s digitale Taxonomien arbeiten an maschinenlesbaren Standards. Künftig werden ESG-Daten so standardisiert ausgetauscht werden wie heute Finanzdaten via XBRL – was Doppelerfassungen eliminiert und die Vergleichbarkeit erhöht.

Fazit: Von der Pflicht zum Wettbewerbsvorteil

Die CSRD und andere regulatorische Entwicklungen haben das ESG-Reporting von einer freiwilligen Best Practice zu einer verbindlichen Anforderung gemacht (Europäische Kommission, 2022). Unternehmen stehen vor der Wahl: diese Anforderungen als lästige Compliance-Last zu behandeln oder als Chance zur strategischen Transformation zu begreifen.

Die intelligente Automatisierung der ESG-Datenerfassung ist der Schlüssel zu dieser Transformation. Sie reduziert nicht nur Aufwand und Fehler, sondern schafft die Datenbasis für fundierte Nachhaltigkeitsentscheidungen, die sich ökonomisch lohnen können. Unternehmen mit robusten ESG-Dateninfrastrukturen können schneller auf regulatorische Änderungen reagieren, Risiken frühzeitig erkennen, Effizienzpotenziale identifizieren und ihre Nachhaltigkeitsleistung glaubwürdig kommunizieren.

Der Weg zur automatisierten ESG-Datenerfassung erfordert strategische Planung, technologische Investitionen und einen organisatorischen Wandel. Aber die Investition zahlt sich mehrfach aus: durch Effizienzgewinne, bessere Entscheidungsgrundlagen, geringere Compliance-Risiken und nicht zuletzt durch verbesserten Zugang zu nachhaltigkeitsorientiertem Kapital. In einer Welt, in der Nachhaltigkeit zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird, sind automatisierte ESG-Datenerfassungssysteme nicht mehr optional – sie sind essenziell für den langfristigen Unternehmenserfolg.

 

 

Häufig gestellte Fragen zur automatisierten ESG-Datenerfassung

Was ist ESG-Datenerfassung?
ESG-Datenerfassung bezeichnet den systematischen Prozess der Sammlung, Validierung und Konsolidierung von Daten zu Umwelt (Environmental), Sozialem (Social) und Unternehmensführung (Governance). Dieser Prozess umfasst die Erfassung von Informationen aus verschiedenen Quellen innerhalb und außerhalb des Unternehmens, um ein vollständiges Bild der Nachhaltigkeitsleistung zu erhalten.
Welche Datenpunkte müssen unter der CSRD erfasst werden?

Die CSRD mit den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) erfordert die Erfassung von mehreren hundert Datenpunkten. Diese umfassen:

  • Umweltdaten: Treibhausgasemissionen (Scope 1, 2, 3), Energieverbrauch, Wassernutzung, Abfallmengen
  • Sozialdaten: Diversitätskennzahlen, Arbeitssicherheit, Weiterbildungsmaßnahmen, Arbeitsbedingungen in der Lieferkette
  • Governance-Daten: Vorstandsstrukturen, Compliance-Kennzahlen, Antikorruptionsmaßnahmen
  • Wertschöpfungskettendaten: Informationen von Lieferanten und Kunden
Wie kann KI die ESG-Datenerfassung verbessern?

Künstliche Intelligenz revolutioniert die ESG-Datenerfassung durch:

  • Automatisierung: KI-gestützte Systeme extrahieren Daten automatisch aus verschiedenen Quellen wie E-Mails, PDFs und Rechnungen
  • Validierung: Machine Learning erkennt Anomalien und Inkonsistenzen in Echtzeit
  • Predictive Analytics: Vorhersage von Datentrends und frühzeitige Identifikation von Risiken
  • Natural Language Processing: Verarbeitung unstrukturierter Textdaten aus Berichten und Dokumenten
  • Effizienzsteigerung: Reduzierung manueller Aufwände um bis zu 70%
Was sind die größten Herausforderungen bei der ESG-Datenerfassung?

Die größten Herausforderungen bei der ESG-Datenerfassung sind:

  • Datensilos: Informationen sind über verschiedene Abteilungen und Systeme verteilt
  • Manuelle Prozesse: Zeitaufwändige Excel-basierte Erfassung mit hoher Fehleranfälligkeit
  • Scope 3 Emissionen: Erfassung von Lieferkettendaten, die oft 70-90% der Gesamtemissionen ausmachen
  • Datenqualität: Sicherstellung von Vollständigkeit, Genauigkeit, Konsistenz und Aktualität
  • Fehlende Standardisierung: Unterschiedliche Frameworks und Berichtsanforderungen
Welche technischen Anforderungen sind für eine erfolgreiche ESG-Datenerfassung notwendig?

Für eine erfolgreiche ESG-Datenerfassung sind folgende technische Komponenten erforderlich:

  • Zentrale Datenplattform: Cloud-basierte Lösung zur Konsolidierung aller ESG-Daten
  • API-Schnittstellen: Anbindung an bestehende ERP-, HR- und Finanzsysteme
  • Automatisierungsfunktionen: KI-gestützte Datenextraktion und -validierung
  • Workflow-Management: Steuerung von Genehmigungsprozessen und Datenfreigaben
  • Audit Trail: Lückenlose Dokumentation aller Datenänderungen für Compliance
  • Reporting-Engine: Flexible Berichterstellung nach verschiedenen Standards (CSRD, GRI, TCFD)

Quellenverzeichnis

Europäische Kommission (2022) Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Brüssel: Europäische Kommission. Verfügbar unter: https://finance.ec.europa.eu/capital-markets-union-and-financial-markets/company-reporting-and-auditing/company-reporting/corporate-sustainability-reporting_en

Javanmard, A. (2025) Kraftstoffverbrauchserfassung: Wie KION 85% Zeitersparnis und 99,5% Datenqualität im ESG Reporting erreichte. Procycons. Verfügbar unter: https://procycons.com/de/blogs/case-study/kraftstoffverbrauchserfassung/ 

PwC (2023) Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) 2023 – An analysis. Zürich: PwC Schweiz. Verfügbar unter: https://www.pwc.ch/en/publications/2023/Study_CSRD_ENG_20231121.pdf 

PwC (2024a) 55% of companies cite data quality challenges in CSRD reporting. PwC Luxemburg. Verfügbar unter: https://www.pwc.lu/en/press/press-releases-2024/data-quality-challenges-csrd-reporting.html 

PwC (2024b) Global CSRD Survey 2024 – Ergebnisse für Deutschland. PwC Deutschland. Verfügbar unter: https://www.pwc.de/de/nachhaltigkeit/global-csrd-survey-2024-ergebnisse-fuer-deutschland.html

ESG Reporting: Zwischen strategischer Notwendigkeit und operativer Komplexität

Executive Summary

ESG Reporting hat sich von einer freiwilligen Initiative zu einer regulatorischen Pflicht entwickelt, die Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen stellt. Der Gartner Hype Cycle 2025 positioniert „ESG Reporting and Management Software“ im „Trough of Disillusionment“ – die anfängliche Euphorie der All-in-One-ESG-Lösung weicht der komplexen Realität. Hauptherausforderungen sind mangelnde Datenqualität (nur 26% der CFOs vertrauen ihren ESG-Daten), fragmentierte Standards, Ressourcenknappheit und Greenwashing-Risiken. Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) werden EU-weit zahlreiche Unternehmen berichtspflichtig. Trotz erheblicher Investitionskosten bietet professionelles ESG Reporting strategische Vorteile, doch Erfolg erfordert Integration in Kerngeschäftsprozesse statt isolierter Compliance-Übungen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Executive Summary
  2. ESG Reporting im Wandel der Zeit
    1. Die Ernüchterung: Komplexität statt Klarheit
    2. Licht am Horizont: Der Weg zur Produktivität
    3. Was jetzt zählt
  3. Was ist ESG Reporting und warum ist es wichtig?
    1. Definition und Grundlagen
    2. Die Bedeutung für Stakeholder
    3. Regulatorischer Rahmen und Treiber
    4. Wettbewerbsvorteile durch transparentes ESG Reporting
  4. Die Herausforderungen im ESG Reporting: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
    1. Ausblick: Von der Herausforderung zur Chance
    2. Datenerfassung und -qualität als fundamentale Hürde
    3. Fragmentierung von Standards und Frameworks
    4. Greenwashing-Risiken und Prüfung
    5. Integration von ESG in Geschäftsprozesse
    6. Methodologische Unterschiede verstehen
    7. Technologische und personelle Ressourcen
    8. Wesentlichkeitsanalyse und Stakeholder-Einbindung
  5. Die Kluft zwischen Ambition und Umsetzung
  6. Erfolgreiche ESG-Rating-Strategie
  7. Der Schlüssel ist Fokus

ESG Reporting im Wandel der Zeit

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung hat sich von einer freiwilligen Zusatzinformation zu einem zentralen Bestandteil der Unternehmenskommunikation entwickelt. Was einst als Nice-to-have galt, ist heute für viele Unternehmen eine regulatorische Pflicht und ein entscheidender Faktor für Investitionsentscheidungen.

Der Gartner Hype Cycle for Sustainability 2025 positioniert „ESG Reporting and Management Software“ im „Trough of Disillusionment“ – jener Phase, in der die anfängliche Euphorie der Realität weicht und Unternehmen mit den tatsächlichen Herausforderungen der Implementierung konfrontiert werden. Diese Einordnung spiegelt wider, dass viele Organisationen erkennen: ESG Reporting ist weitaus komplexer als ursprünglich angenommen.

Gartner HypeCycle - ESG Reporting

Die Ernüchterung: Komplexität statt Klarheit

Noch vor wenigen Jahren herrschte Aufbruchstimmung: Das ESG Reporting versprach Vergleichbarkeit, Transparenz und messbare Verbesserungen im Nachhaltigkeitsbereich. Die Annahme war verlockend einfach: Standardisierte Berichterstattung würde quasi automatisch zu besserer Nachhaltigkeitsperformance führen.

Heute zeigt sich eine andere Realität:

Datenqualität als Achillesferse: Die Beschaffung verlässlicher ESG-Daten ist erheblich komplexer als bei Finanzkennzahlen. Accenture (2025) berichtet, dass nur 26% der CFOs ihren ESG-Daten vertrauen. Energieverbrauch, Lieferantendaten und soziale Kennzahlen müssen aus verschiedenen Systemen zusammengetragen werden. In globalen Wertschöpfungsketten wird dies zur Mammutaufgabe – wie misst man zuverlässig die CO₂-Emissionen von Zulieferern in verschiedenen Ländern?

Regulatorisches Chaos: Statt Vereinheitlichung existiert ein Flickenteppich aus Standards – GRI, SASB, TCFD, CSRD, ESRS, SEC-Vorschläge. International tätige Unternehmen müssen parallel verschiedene, teils unterschiedliche Anforderungen erfüllen.

Ressourcenexplosion: Der Aufwand übersteigt regelmäßig die Kalkulationen. Unternehmen benötigen nicht nur Berichterstatter, sondern Datenanalysten, IT-Spezialisten und Nachhaltigkeitsexperten. Neue Systeme müssen implementiert, Mitarbeiter geschult, Prozesse umgestaltet werden.

Greenwashing-Falle: Trotz umfangreicher Berichte sehen sich Unternehmen mit Glaubwürdigkeitskrisen konfrontiert. Die Diskrepanz zwischen Berichterstattung und tatsächlicher Performance wird kritisch hinterfragt. Ein prominentes Beispiel ist der Volkswagen „Dieselgate“-Skandal, bei dem das Unternehmen trotz positiver Umweltaussagen systematisch Abgaswerte manipulierte.

Rating-Divergenz: ESG-Ratings verschiedener Agenturen zeigen trotz ähnlicher Bewertungsmethoden erhebliche Unterschiede in ihren Ergebnissen. Deloitte Switzerland (2024) weist darauf hin, dass verschiedene Rating-Anbieter unterschiedliche Schwerpunkte setzen und damit zu divergierenden Bewertungen desselben Unternehmens kommen können. Diese Fragmentierung erschwert sinnvolle Vergleiche und strategische Entscheidungen.

Licht am Horizont: Der Weg zur Produktivität

Gartner prognostiziert 2 bis 5 Jahre bis zum „Plateau of Productivity“. Erste positive Signale sind bereits erkennbar:

  • Standardisierung: ISSB und CSRD (ESRS) schaffen zunehmende Konvergenz
  • Technologie: KI-gestützte Plattformen automatisieren Datenerhebung – Accenture (2024) betont, dass generative KI und fortschrittliche Datenkapazitäten Datenlücken adressieren können
  • Professionalisierung: Dedizierte Teams und externe Prüfungen werden Standard
  • Integration: ESG wird Teil der Kerngeschäftsprozesse statt isolierte Pflichtübung

Was jetzt zählt

Die aktuelle Position im Hype Cycle bedeutet: ESG Reporting transformiert sich vom gehypten Konzept zur substanziellen Unternehmenspraxis. Drei Handlungsempfehlungen:

  1. Realistische Erwartungen: Ausreichend Zeit und Ressourcen einplanen
  2. Jetzt investieren: Wer heute Kapazitäten aufbaut, ist morgen führend
  3. Qualität vor Schnelligkeit: Solide Infrastruktur schlägt schnelle Lösungen

Die schwierigste Phase liegt vor uns – aber mit zunehmender Standardisierung wird ESG Reporting effizienter und wertvoller. Die Herausforderung von heute ist die Chance für nachhaltige Differenzierung morgen.

Was ist ESG Reporting und warum ist es wichtig?

Definition und Grundlagen

ESG Reporting bezeichnet die systematische Erfassung, Messung und Kommunikation von Unternehmensleistungen in den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Diese drei Säulen bilden das Fundament für eine ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeit von Unternehmen, die über reine Finanzkennzahlen hinausgeht.

Die Environmental-Dimension umfasst Aspekte wie CO2-Emissionen, Ressourcenverbrauch, Abfallmanagement und Biodiversität. Die Social-Komponente beinhaltet Arbeitsbedingungen, Diversität, Menschenrechte in der Lieferkette und gesellschaftliches Engagement. Governance bezieht sich auf Unternehmensführung, Compliance, Korruptionsbekämpfung und Transparenz.

Regulatorischer Rahmen und Treiber

Die regulatorische Landschaft im ESG Reporting hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Mit der CSRD der Europäischen Union, die ab Januar 2024 schrittweise in Kraft tritt, werden deutlich mehr Unternehmen in der EU zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet. Die genaue Anzahl betroffener Unternehmen steht aufgrund laufender Anpassungen (Omnibus-Richtlinie) noch nicht endgültig fest, wird jedoch eine signifikante Ausweitung gegenüber der vorherigen Non-Financial Reporting Directive (NFRD) darstellen.

Parallel dazu entwickeln sich internationale Standards weiter. Die International Sustainability Standards Board (ISSB) hat internationale Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt, die eine globale Baseline schaffen sollen.

Die Bedeutung für Stakeholder

ESG Reporting hat sich zu einem entscheidenden Instrument für verschiedene Stakeholdergruppen entwickelt. Deloitte Switzerland (2024) hebt hervor, dass ESG-Ratings zunehmend beeinflussen, wie Investoren, Kreditgeber und Kunden Unternehmen bewerten. Unternehmen mit starken ESG-Ratings profitieren von niedrigeren Finanzierungskosten sowohl bei Eigen- als auch bei Fremdkapital.

Auch für Kunden und Geschäftspartner gewinnt die ESG-Performance an Bedeutung. Accenture (2025) berichtet, dass Unternehmen, die ESG-Transparenz priorisieren, höheres Vertrauen genießen, Premium-Preise erzielen können und längerfristige Verträge sichern.

Wettbewerbsvorteile durch transparentes ESG Reporting

Unternehmen, die ESG Reporting ernst nehmen, profitieren nicht nur von regulatorischer Compliance, sondern verschaffen sich konkrete Wettbewerbsvorteile.

Deloitte Switzerland (2024) dokumentiert, dass Unternehmen mit besseren ESG-Ratings ihre Wettbewerbsfähigkeit schützen und steigern können durch:

  • Umsatzsicherung: Erhalt von B2B-Kundenbeziehungen und Zugang zu großen Ausschreibungen
  • Aktienperformance: Bindung und Gewinnung von Aktionären durch gute Rating-Scores
  • Wettbewerbssignal: Demonstration der (Über-)Performance gegenüber Wettbewerbern
  • Kontinuierliche Verbesserung: Nutzung identifizierter Lücken im jährlichen Rating-Prozess als „kostenlose“ Beratung zur Verbesserung von Governance, Datenqualität und Offenlegungen
  • Glaubwürdigkeit: Aufbau von Vertrauen durch transparenten Austausch mit Rating-Anbietern

Die Transparenz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung stärkt das Vertrauen von Stakeholdern und kann zu einer verbesserten Reputation führen.

Die Herausforderungen im ESG Reporting: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Wesentlichkeitsanalyse und Stakeholder-Einbindung

Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse (Double Materiality), die unter CSRD gefordert wird, stellt Unternehmen vor methodische Herausforderungen. Unternehmen müssen sowohl bewerten, wie ESG-Themen ihr Geschäft beeinflussen (Outside-In), als auch welche Auswirkungen ihr Geschäft auf Umwelt und Gesellschaft hat (Inside-Out). Dieser zweifache Ansatz erfordert einen systematischen Stakeholder-Dialog und robuste Bewertungsmethoden. Viele Unternehmen unterschätzen den Aufwand für die strukturierte Einbindung verschiedener Stakeholdergruppen und die Validierung der Ergebnisse.

Fragmentierung von Standards und Frameworks

Trotz Harmonisierungsbestrebungen existiert weiterhin eine Vielzahl von ESG-Reporting-Standards und -Frameworks, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Deloitte Switzerland (2024) weist darauf hin, dass die ESG-Landschaft komplex ist, mit Anbietern, die unterschiedlichen Zwecken dienen. Neben den CSRD- (ESRS) und den ISSB-Standards gibt es etablierte Frameworks wie die Global Reporting Initiative (GRI), das Sustainability Accounting Standards Board (SASB), die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und branchenspezifische Standards. Diese Fragmentierung führt dazu, dass Unternehmen, die in mehreren Jurisdiktionen tätig sind, parallel mehrere Berichtsformate bedienen müssen. Accenture (2024) betont, dass der Aufwand für ESG-Reporting bei großen multinationalen Unternehmen erheblich sein kann.

Methodologische Unterschiede verstehen

Deloitte Switzerland (2024) erklärt, dass ESG-Rating-Agenturen zwar ähnliche Daten sammeln, ihre Ansätze jedoch erheblich variieren: Einige Ratings sind relativ und ranken Unternehmen im Vergleich zu Wettbewerbern, andere sind absolut und bewerten anhand fester Kriterien. Manche stützen sich hauptsächlich auf öffentliche Offenlegungen, während andere detaillierte Fragebögen und Dokumentationen erfordern. Das Verständnis dieser methodologischen Unterschiede ist essentiell, um die eigene Bewertung korrekt zu interpretieren und Verbesserungsmaßnahmen dort zu fokussieren, wo sie für die Organisation am wichtigsten sind.

Datenerfassung und -qualität als fundamentale Hürde

Die größte Herausforderung im ESG Reporting liegt in der Erfassung qualitativ hochwertiger, konsistenter und verifizierbarer Daten. Accenture (2025) berichtet, dass nur 26% der CFOs ihren ESG-Daten vertrauen. Im Gegensatz zu Finanzdaten, die auf etablierten Buchführungssystemen basieren, existieren für viele ESG-Metriken keine standardisierten Erfassungsmechanismen. Besonders problematisch ist dies bei Scope 3-Emissionen, die indirekte Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette umfassen und bei vielen Unternehmen einen erheblichen Teil der gesamten CO2-Bilanz ausmachen können. Die Datenlücken sind besonders ausgeprägt bei komplexen globalen Lieferketten, wo Tier-2- und Tier-3-Zulieferer oft nicht einmal bekannt sind, geschweige denn systematisch erfasst werden.

Technologische und personelle Ressourcen

Die Implementierung eines robusten ESG-Reporting-Systems erfordert erhebliche Investitionen in Technologie und Personal. Viele Unternehmen nutzen noch immer Excel-Tabellen und manuelle Prozesse, was fehleranfällig und ineffizient ist. Die Implementierung spezialisierter ESG-Software-Lösungen ist kostenintensiv und erfordert Change-Management-Prozesse. Gleichzeitig herrscht ein akuter Fachkräftemangel im Bereich ESG und Nachhaltigkeit. Besonders gesucht sind Fachkräfte, die technisches ESG-Wissen mit Datenanalytik-Kompetenzen verbinden können.

Integration von ESG in Geschäftsprozesse

Eine nachhaltige ESG-Berichterstattung kann nicht isoliert von den operativen Geschäftsprozessen erfolgen. Die Herausforderung besteht darin, ESG-Kriterien in strategische Entscheidungen, Risikomanagement und Performance-Management zu integrieren. Dies erfordert ein Umdenken in der Unternehmenskultur und oft strukturelle Veränderungen in Organisation und Governance. Silos zwischen Nachhaltigkeits-, Finance- und Operations-Abteilungen erschweren einen ganzheitlichen Ansatz.

Greenwashing-Risiken und Prüfung

Mit steigenden Anforderungen an das ESG Reporting wächst auch das Risiko von Greenwashing – der irreführenden Darstellung von Nachhaltigkeitsleistungen. Dies hat zu verschärften regulatorischen Anforderungen und höheren Haftungsrisiken geführt. Die CSRD verlangt erstmals eine verpflichtende externe Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung, zunächst mit begrenzter, langfristig mit hinreichender Sicherheit. Dies stellt sowohl für berichtende Unternehmen als auch für Wirtschaftsprüfer eine Herausforderung dar, da Prüfungsstandards für nicht-finanzielle Informationen noch nicht so ausgereift sind wie für Finanzdaten.

Ausblick: Von der Herausforderung zur Chance

Trotz der erheblichen Herausforderungen birgt ESG Reporting auch Chancen für Unternehmen, die bereit sind, die notwendigen Investitionen zu tätigen. Die Gartner-Prognose sieht ESG Reporting in 2-5 Jahren auf dem „Plateau of Productivity“, wo standardisierte Prozesse und ausgereifte Technologien die Berichterstattung deutlich vereinfachen werden.

Fortschritte in künstlicher Intelligenz und Machine Learning versprechen Automatisierungspotenziale bei der Datenerfassung und -analyse. Accenture (2025) betont, dass generative KI und fortschrittliche Datenkapazitäten Datenlücken adressieren und Wettbewerbsvorteile steigern können.

Die Kluft zwischen Ambition und Umsetzung

Eine bemerkenswerte Diskrepanz zeigt sich zwischen der strategischen Priorisierung von Nachhaltigkeit auf Executive-Ebene und der praktischen Umsetzung. Besonders deutlich wird die Ambitions-Umsetzungslücke bei Klimazielen. Accenture (2025) dokumentiert, dass 41% der weltgrößten Unternehmen öffentliche Net-Zero-Ziele haben, aber fast alle davon nicht auf Kurs sind. Nur 16% der Unternehmen sind tatsächlich auf Kurs für Net Zero bis 2050.

Erfolgreiche ESG-Rating-Strategie

Deloitte Switzerland (2024) empfiehlt einen fokussierten Ansatz: Statt jedes Rating zu verfolgen, sollten Unternehmen in die Ratings investieren, die für ihre Stakeholder und ihr Geschäftsmodell am wichtigsten sind – und damit ihre ESG-Bemühungen und Wettbewerbsstrategie in Einklang bringen.

Es wird geraten, dass jede Rating-Priorisierung mit Klarheit über die anvisierte Stakeholder-Gruppe und das gewünschte Ergebnis beginnen muss (Deloitte Switzerland 2024):

  • Wollen wir Aktionäre binden oder gewinnen?
  • Wollen wir an neuen Ausschreibungen mit großen B2B-Kunden teilnehmen?
  • Wollen wir beeinflussen, wie NGOs über unser Unternehmen berichten?

Die Wahl der Ratings wird oft vom besten Verhältnis zwischen Ergebnis und relativem Arbeitsaufwand bestimmt.

Der Schlüssel ist Fokus

Entscheidend ist, dass Unternehmen ESG Reporting nicht als reine Compliance-Übung verstehen, sondern als strategisches Instrument zur Steuerung und Kommunikation ihrer Nachhaltigkeitsperformance. Diejenigen, die heute in robuste Systeme, qualifiziertes Personal und echte Nachhaltigkeitstransformation investieren, werden morgen die Gewinner sein.

 

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist ESG Reporting und warum ist es wichtig?

ESG Reporting bezeichnet die systematische Erfassung und Kommunikation von Unternehmensleistungen in den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Es hat sich von einer freiwilligen Initiative zu einer regulatorischen Pflicht entwickelt und ist heute entscheidend für Investitionsentscheidungen, Kundenbindung und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Transparentes ESG Reporting stärkt das Stakeholder-Vertrauen und verschafft konkrete Vorteile wie niedrigere Finanzierungskosten und höhere Aktionärsrenditen.

Welche Herausforderungen gibt es beim ESG Reporting?

Die größten Herausforderungen liegen in der Datenqualität und -erfassung, da viele ESG-Metriken nicht standardisiert sind. Hinzu kommt die Fragmentierung verschiedener Reporting-Standards und Frameworks, die Unternehmen parallel bedienen müssen. Weitere Hürden sind der hohe Ressourcenaufwand für Personal und Technologie, das Greenwashing-Risiko und die Integration von ESG in die Kerngeschäftsprozesse. Viele Unternehmen unterschätzen die Komplexität der Implementierung erheblich.

Welche Vorteile haben Unternehmen durch professionelles ESG Reporting?

Unternehmen mit starker ESG-Performance erzielen messbare Wettbewerbsvorteile: Sie profitieren von signifikant höheren Aktionärsrenditen, niedrigeren Finanzierungskosten und besserem Zugang zu Kapital. Transparente ESG-Berichterstattung sichert B2B-Kundenbeziehungen und ermöglicht die Teilnahme an großen Ausschreibungen. Zudem stärkt es die Reputation, schafft Vertrauen bei Stakeholdern und kann zu Premium-Preisen sowie längerfristigen Verträgen führen. ESG Reporting wird so vom Compliance-Instrument zum strategischen Differenzierungsfaktor.

Wie entwickelt sich ESG Reporting in den nächsten Jahren?

Nach der aktuellen Phase der Ernüchterung prognostizieren Experten in 2-5 Jahren eine Phase der Produktivität, in der standardisierte Prozesse und ausgereifte Technologien die Berichterstattung deutlich vereinfachen werden. Fortschritte in künstlicher Intelligenz und Machine Learning versprechen Automatisierungspotenziale bei der Datenerfassung. Zunehmende Standardisierung durch ISSB und CSRD sowie die Professionalisierung durch dedizierte Teams und externe Prüfungen werden ESG Reporting effizienter und wertvoller machen.

Worauf sollten Unternehmen bei der Implementierung von ESG Reporting achten?

Unternehmen sollten realistische Erwartungen setzen und ausreichend Zeit sowie Ressourcen einplanen, da die Komplexität oft unterschätzt wird. Wichtig ist ein fokussierter Ansatz: Statt jedes Rating zu verfolgen, sollten Unternehmen in die Ratings investieren, die für ihre wichtigsten Stakeholder relevant sind. Qualität sollte vor Schnelligkeit gehen – eine solide Infrastruktur zahlt sich langfristig aus. Entscheidend ist zudem, ESG nicht als isolierte Compliance-Übung zu verstehen, sondern als strategisches Instrument zur Steuerung echter Nachhaltigkeitstransformation.

 

Quellenverzeichnis

Accenture (2025) Sustainability Consulting Services & Solutions. verfügbar unter: https://www.accenture.com/us-en/services/sustainability

Deloitte Switzerland (2024) ‚Navigating the ESG ratings landscape: Prioritising the right rating for enhanced competitiveness‘, verfügbar unter: https://www.deloitte.com/ch/en/issues/climate/navigating-esg-ratings-landscape.html

Gartner (2025) ‚Hype Cycle for Sustainability, 2025‘, Gartner Research.

IFRS Foundation (2023) ‚IFRS S1 and S2: International Sustainability Disclosure Standards‘, International Sustainability Standards Board.

ESG-Risikomanagement: Ein strategischer Rahmen für nachhaltigen Erfolg

Artikel maschinell aus dem Englischen übersetzt

Inhaltsverzeichnis

  • Einführung: Der ESG-Imperativ in der modernen Geschäftswelt
  • Was ist ESG-Risikomanagement? Mehr als nur Compliance
  • Die drei Säulen von ESG: Ein umfassender Rahmen
  • Systematische vs. unsystematische ESG-Risiken: Eine zentrale Unterscheidung
  • Wie man ein ESG-Risikomanagement-Framework implementiert
  • Ein Überblick über die wichtigsten ESG-Berichtsrahmenwerke
  • Fazit: ESG-Risiken in einen strategischen Vorteil verwandeln

Einführung: Der ESG-Imperativ in der modernen Geschäftswelt

Die heutige Unternehmenslandschaft befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) sind nicht länger periphere Anliegen, sondern zentrale Treiber für unternehmerische Risiken und strategische Chancen. Dies ist kein vorübergehender Trend, sondern eine strukturelle Veränderung in der Art und Weise, wie Organisationen langfristig Werte schaffen und erhalten.

Aktuelle Daten unterstreichen das Ausmaß dieser Transformation. Die EY Global C-suite Insights Survey aus dem Jahr 2023 zeigt, dass über 81 % der Unternehmen Positionen wie den Chief Sustainability Officer (CSO) oder vergleichbare Führungsrollen geschaffen haben. 90 % der Führungskräfte berichten von einer Überwachung der ESG-Agenden auf Vorstandsebene (Watson et al., 2023).

Dieser Artikel ist der zweite Teil unserer Reihe zum KI-gesteuerten Risikomanagement und baut auf unserem grundlegenden Beitrag zum Verständnis des systematischen Risikos auf. Wir wenden das Kernprinzip, dass das Gesamtrisiko die Summe aus systematischen und unsystematischen Risiken ist, gezielt auf den ESG-Bereich an. Wir zeigen, wie marktweite (systematische) und unternehmensspezifische (unsystematische) ESG-Faktoren zusammen das umfassende ESG-Risikoprofil einer Organisation bilden.

Was ist ESG-Risikomanagement? Mehr als nur Compliance

ESG bietet einen greifbaren Rahmen zur Bewertung der Auswirkungen einer Organisation in drei entscheidenden Dimensionen. Im Gegensatz zu breiteren Konzepten wie der sozialen Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) bietet ESG messbare Kriterien, die eine datengestützte Entscheidungsfindung für Unternehmen und Investoren ermöglichen.

Der strategische Imperativ für das ESG-Management ergibt sich aus mehreren miteinander verbundenen Kräften: starkem Marktdruck, sich entwickelnden Vorschriften und veränderten Erwartungen der Stakeholder. Investoren integrieren ESG-Faktoren systematisch in die Vermögensverwaltung, während Regulierungsbehörden wie die EU strenge Anforderungen wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) umsetzen. Eine mangelnde Anpassung setzt Organisationen erheblichen finanziellen, regulatorischen und reputativen Schäden aus.

Letztendlich ist proaktives ESG-Management direkt mit der finanziellen Leistungsfähigkeit verknüpft. Eine Studie des IBM Institute for Business Value aus dem Jahr 2023 ergab, dass Organisationen, die als ESG-Führer anerkannt sind, mit einer um 43 % höheren Wahrscheinlichkeit ihre Konkurrenten in der Rentabilität übertreffen. – (Krantz & Jonker, 2023)

Diese Erkenntnisse positionieren ESG nicht als Kostenfaktor, sondern als entscheidenden Treiber für Wettbewerbsvorteile und langfristige Widerstandsfähigkeit.

Die drei Säulen von ESG: Ein umfassender Rahmen

Effektives ESG-Management erfordert eine ganzheitliche Bewertung von drei miteinander verbundenen Säulen:

  • Umwelt (Environmental): Diese Säule untersucht die Auswirkungen einer Organisation auf die natürliche Welt. Sie umfasst den Klimaschutz, das Management von Treibhausgasemissionen (THG), die Ressourcenverknappung, Abfall und Umweltverschmutzung. Zu den wichtigsten Risikokategorien gehören Transitionsrisiken (z. B. durch CO2-Bepreisung) und physische Risiken (z. B. durch extreme Wetterereignisse).
  • Soziales (Social): Die soziale Dimension befasst sich mit den Beziehungen eines Unternehmens zu seinen Mitarbeitern, Kunden und den Gemeinschaften, in denen es tätig ist. Wichtige Bereiche sind Vielfalt und Inklusion, Menschenrechte, Arbeitsnormen, Datenschutz und Ethik in der Lieferkette. Eine starke soziale Leistung verbessert den Ruf der Marke und die Mitarbeiterbindung.
  • Unternehmensführung (Governance): Dieser Bereich konzentriert sich auf die Führung, die internen Kontrollen und die Aktionärsrechte eines Unternehmens. Entscheidende Elemente sind die Zusammensetzung des Vorstands, die Vergütung von Führungskräften, die Transparenz in der Berichterstattung und ethisches Geschäftsgebaren. Eine robuste Governance reduziert operationelle Risiken und schafft Vertrauen bei den Stakeholdern.

Systematische vs. unsystematische ESG-Risiken: Eine zentrale Unterscheidung

Wie im ersten Artikel unserer Serie dargelegt, kann das Gesamtrisiko einer Organisation in zwei Teile zerlegt werden. Dieses Prinzip ist direkt auf das ESG-Risiko anwendbar:

Gesamtes ESG−Risiko=Systematisches ESG−Risiko+Unsystematisches ESG−Risiko

  • Systematisches ESG-Risiko: Dies sind marktweite ESG-Faktoren, die alle Organisationen innerhalb eines Sektors oder einer Volkswirtschaft betreffen. Beispiele sind weitreichende Klimavorschriften, grundlegende Veränderungen in der gesellschaftlichen Einstellung zur Nachhaltigkeit oder globale Lieferkettenunterbrechungen durch Umweltereignisse. Diese Risiken können nicht wegdiversifiziert werden und erfordern systemische, branchenweite Reaktionen.
  • Unsystematisches ESG-Risiko: Dies sind unternehmensspezifische ESG-Faktoren, die für eine einzelne Organisation einzigartig sind. Beispiele hierfür sind ein Governance-Skandal, ein lokaler Umweltvorfall, ein Arbeitskampf oder ein ethischer Verstoß in der Lieferkette des Unternehmens. Diese Risiken können oft durch effektive interne Kontrollen und strategisches Management gemindert werden.

Das Verständnis dieser Aufteilung ermöglicht es Organisationen, gezielte Strategien zu entwickeln, die sowohl auf breite Branchenherausforderungen als auch auf einzigartige interne Schwachstellen eingehen.

KategorieSystematische RisikenUnsystematische Risiken
AuswirkungBetrifft eine Vielzahl von Wertpapieren im gesamten Markt oder einem MarktsegmentBeschränkt auf eine bestimmte Branche, ein Unternehmen oder ein Marktsegment
ArtKann nicht vom Management kontrolliert, minimiert oder vermieden werdenKann vom Management gesteuert, minimiert oder vollständig vermieden werden
FaktorenVerursacht durch externe oder makroökonomische Ereignisse (z.B. geopolitische, wirtschaftliche, soziale)Entstehen aus internen oder mikroökonomischen Bedingungen
ProtectionManaged through strategic asset allocationManaged through portfolio diversification
AvoidabilityUnavoidableAvoidable and resolvable
TypesIncludes purchasing power risk, interest rate risk, and market riskIncludes business-specific and financial risk

Abbildung 1: Systematische vs. unsystematische Komponenten des gesamten ESG-Risikos

Wie man ein ESG-Risikomanagement-Framework implementiert

Effektives ESG-Risikomanagement ist ein systematischer Prozess zur Identifizierung, Bewertung und Minderung von Risiken und Chancen. Ein erfolgreiches Framework basiert auf einem tiefen Verständnis der Erwartungen der Stakeholder, da diese die Haupttreiber für ESG-Prioritäten sind.

Stakeholder, von Investoren und Regulierungsbehörden bis hin zu Kunden und Mitarbeitern, legen die Messlatte gemeinsam höher. Investoren fordern Transparenz und integrieren ESG-Daten in ihre Entscheidungsfindung. Regulierungsbehörden schaffen komplexe Compliance-Verpflichtungen. Kunden und Mitarbeiter bevorzugen es, sich mit sozial und ökologisch verantwortungsbewussten Marken zu identifizieren. Der Druck von Lieferanten und aus der Wertschöpfungskette erzeugt Kaskadeneffekte, die Unternehmen zwingen, nachhaltige und ethische Praktiken in ihrem gesamten operativen Ökosystem zu übernehmen. Ein modernes ESG-Framework muss daher so gestaltet sein, dass es diesen vielfältigen und manchmal konkurrierenden Anforderungen auf kohärente und strategische Weise gerecht wird.

Ein Überblick über die wichtigsten ESG-Berichtsrahmenwerke

Robuste Messungen und transparente Berichterstattung sind die Eckpfeiler eines effektiven ESG-Managements. Mehrere wichtige Rahmenwerke bieten standardisierte Leitlinien, um Organisationen dabei zu helfen, ihre Leistung gegenüber Stakeholdern zu kommunizieren:

  • European Sustainability Reporting Standards (ESRS): Eine Reihe von verbindlichen Standards im Rahmen der CSRD der EU. Sie fordern Offenlegungen auf der Grundlage eines Ansatzes der „doppelten Wesentlichkeit“, der sowohl die Auswirkungen des Unternehmens auf Gesellschaft und Umwelt als auch die finanziellen Risiken durch Nachhaltigkeitsthemen behandelt.
  • Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD): Der globale Maßstab für die Offenlegung klimabezogener Finanzrisiken. Die Empfehlungen sind um vier Kernbereiche herum strukturiert: Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen & Ziele.
  • Sustainability Accounting Standards Board (SASB): Bietet branchenspezifische Standards, die sich auf die finanziell wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen konzentrieren, die am wahrscheinlichsten den Unternehmenswert beeinflussen. Dies erhöht die Relevanz und Vergleichbarkeit der Offenlegungen für Investoren.
  • Global Reporting Initiative (GRI): Ein umfassendes Rahmenwerk zur Berichterstattung über wirtschaftliche, ökologische und soziale Auswirkungen. Die GRI-Standards betonen die Einbeziehung von Stakeholdern und die Wesentlichkeit, um die Berichterstattung auf die wichtigsten Themen zu konzentrieren.
  • Integrated Reporting Framework: Eine Integration des Denkens, die finanzielle und nicht-finanzielle Informationen verbindet und aufzeigt, wie Organisationen im Laufe der Zeit durch effektives Management von finanziellem, materiellem, intellektuellem, menschlichem, sozialem und natürlichem Kapital Werte schaffen.

Fazit: ESG-Risiken in einen strategischen Vorteil verwandeln

Im heutigen Geschäftsumfeld hängt der Erfolg zunehmend von der Fähigkeit einer Organisation ab, ESG-Risiken mit strategischer Weitsicht zu managen. Da die regulatorischen Anforderungen steigen und die Erwartungen der Stakeholder wachsen, muss sich das Risikomanagement von einer reaktiven Compliance-Übung zu einem proaktiven Motor für die Wertschöpfung entwickeln.

Durch die Integration robuster Rahmenwerke mit neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und fortschrittlicher Analytik können Unternehmen die Risikobewertung, -vorhersage und -minderung drastisch verbessern. Diese Verbindung von technischer Fähigkeit und strategischer Vision befähigt Unternehmen nicht nur, sich in der komplexen ESG-Landschaft zurechtzufinden, sondern auch Innovationen freizusetzen, dauerhafte Widerstandsfähigkeit aufzubauen und sich einen Wettbewerbsvorteil in einer sich schnell verändernden Welt zu sichern.

Quellenverzeichnis

Krantz, T., & Jonker, A. (2023). What is environmental, social and governance (ESG)? IBM Think. Abgerufen von https://www.ibm.com/think/topics/environmental-social-and-governance

Mohebbi, A. (2025). Systematisches Risiko verstehen: Eine Marktkraft, die sich nicht beeinflussen lässt. Procycons. Abgerufen von https://procycons.com/de/blogs/systematisches-risiko-verstehen/

UNEP Finance Initiative. (2024). European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Abgerufen von https://www.unepfi.org/impact/interoperability/european-sustainability-reporting-standards-esrs/

Watson, R., Bergman, R., Firth, C., & Schreiber, C. (2023). The EY 2023 Global Cybersecurity Leadership Insights Study shows how leaders are bolstering defenses while creating value. EY Insights. Abgerufen von https://www.ey.com/en_gl/insights/consulting/is-your-greatest-risk-the-complexity-of-your-cyber-strategy

 

Green AI: Nachhaltigkeit in der Künstlichen Intelligenz

Inhaltsverzeichnis

Die Künstliche Intelligenz (KI) durchdringt zunehmend alle Bereiche unseres Lebens und verspricht revolutionäre Fortschritte in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Doch mit dieser technologischen Revolution geht eine weniger sichtbare, aber ebenso bedeutsame Entwicklung einher: ein exponentiell wachsender ökologischer Fußabdruck. Während KI-Systeme immer leistungsfähiger werden, steigt ihr Energie- und Ressourcenverbrauch dramatisch an. Als Antwort auf diese Herausforderung entsteht die Bewegung der „Green AI“, die eine zentrale Frage aufwirft: Wie können wir die Vorteile der KI nutzen, ohne dabei unseren Planeten zu gefährden?

Was ist Green AI?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst verstehen, was Green AI eigentlich bedeutet. Green AI, auch bekannt als Sustainable AI oder Eco-friendly AI, konzentriert sich auf die Entwicklung und den Einsatz von KI in einer Weise, die deren Umweltauswirkungen minimiert. Die Green AI Committee (GAIC) der Green Software Foundation hat hierfür eine präzise Definition etabliert, die sich explizit auf die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks von KI-Systemen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg konzentriert (Green AI Committee, 2025).

Besonders wichtig ist dabei die klare Abgrenzung von verwandten Konzepten. Diese Definition umfasst bewusst nicht, was KI für die Nachhaltigkeit tun kann – wie beispielsweise die Optimierung von Lieferketten oder Energiemanagement – noch befasst sie sich mit Responsible AI oder AI Safety (Green AI Committee, 2025). Diese scharfe Fokussierung erweist sich als entscheidend, da sie das Kernproblem des ökologischen Fußabdrucks von KI in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig verhindert, dass Unternehmen Greenwashing betreiben, indem sie ihre „AI for sustainability“-Initiativen hervorheben, während sie die Umweltkosten ihrer eigenen KI-Infrastruktur ignorieren.

Die Dringlichkeit dieser Fokussierung wird durch alarmierende Zahlen unterstrichen. Rechenzentren verbrauchen bereits heute weltweit etwa 1% des globalen Strombedarfs – eine Zahl, die voraussichtlich weiter steigen wird (Green AI Institute, 2025). Angesichts dieser Entwicklung macht die Notwendigkeit, den ökologischen Fußabdruck dieser Einrichtungen zu mindern, Green AI zu einem zentralen Thema für die Zukunft der Technologie.

Der ökologische Fußabdruck der KI

Energieverbrauch von KI-Systemen und Rechenzentren

Die Zahlen zum Energieverbrauch moderner KI-Systeme sind gleichermaßen beeindruckend wie besorgniserregend. Die für das Training generativer KI-Modelle erforderliche Rechenleistung kann einen enormen Stromverbrauch verursachen, was direkt zu erhöhten CO2-Emissionen und erheblichem Druck auf das Stromnetz führt (Zewe, 2025). Dabei kann ein generativer KI-Trainingscluster sieben- bis achtmal mehr Energie verbrauchen als eine typische Computerarbeitslast (Zewe, 2025).

Um das tatsächliche Ausmaß dieser Herausforderung zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf konkrete Entwicklungen: Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt und wird sich bis 2030 voraussichtlich erneut verdoppeln. Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, ist der größte Anstieg vor allem bei den beschleunigten Servern zu verzeichnen, die für den Einsatz von KI genutzt werden.

Green AI - hoher Stromverbrauch in den kommenden Jahren

Abbildung 1: Weltweiter Stromverbrauch von Datenzentren nach Ausstattungsmerkmalen

Noch problematischer wird die Situation durch die Tatsache, dass KI-Server bis zu zehnmal mehr Strom verbrauchen als Standardserver und dabei in beispiellosem Umfang eingesetzt werden (Galarza, 2025). Diese exponentielle Zunahme des Energieverbrauchs stellt nicht nur ein quantitatives Problem dar, sondern entwickelt sich zu einem systematischen Risiko für die globale Energieinfrastruktur. Erschwerend kommt hinzu, dass Experten warnen, erneuerbare Energien wachsen derzeit nicht schnell genug, um mit dem Bedarf der KI Schritt zu halten (Galarza, 2025), was unweigerlich zu einer erhöhten Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen führen könnte.

Kohlenstoffemissionen durch Training und Inferenz

Dieser massive Energieverbrauch von KI-Systemen manifestiert sich unmittelbar in erheblichen Kohlenstoffemissionen. Ein anschauliches Beispiel liefert das Training von OpenAIs GPT-3, das allein 1.287 Megawattstunden Strom verbrauchte – genug, um etwa 120 durchschnittliche US-Haushalte ein Jahr lang zu versorgen – und dabei etwa 552 Tonnen Treibhausgase erzeugte (Zewe, 2025). Nimmt man den aktuellen Preis einer Tonne Treibhausgase von ca. 70€ (Börse) entstehen alleine durch den Ausstoß der Treibhaugase Kosten im Wert von 552t * 70€ = 38.640€. Diese einzelne Zahl verdeutlicht bereits die enormen Umweltkosten bestehender KI-Modelle.

Doch die Umweltbelastung endet keineswegs nach dem Training. Vielmehr verbraucht jede Nutzung eines Modells, die sogenannte Inferenz, ebenfalls kontinuierlich Energie. Dabei verbraucht beispielsweise eine ChatGPT-Abfrage etwa fünfmal mehr Strom als eine einfache Websuche (Zewe, 2025). Da diese Modelle zunehmend allgegenwärtig werden und ihre Nutzung exponentiell steigt, wird erwartet, dass die Inferenz bei generativer KI schon bald den größten Anteil des Energieverbrauchs ausmachen wird (Zewe, 2025).

Ressourcenverbrauch: Wasser, Rohstoffe und Elektronikschrott

Parallel zum Energieverbrauch stellt der Wasserbedarf eine weitere kritische Ressourcenherausforderung dar. Rechenzentren benötigen erhebliche Mengen Wasser für ihre Kühlsysteme, wobei geschätzt wird, dass für jede Kilowattstunde Energie, die ein Rechenzentrum verbraucht, zwei Liter Wasser für die Kühlung benötigt werden (Zewe, 2025). Um diese Zahlen zu konkretisieren: Das Training eines bestimmten generativen KI-Modells könnte direkt 700.000 Liter Frischwasser für die Kühlung verdunsten lassen – das entspricht etwa 25% eines olympischen Schwimmbeckens (LI, 2025).

Neben dem direkten Betrieb entstehen weitere Umweltbelastungen bereits bei der Herstellung der Hardware. Die Produktion der für KI unerlässlichen GPUs hat erhebliche Umweltauswirkungen, die Emissionen im Zusammenhang mit Material- und Produkttransport sowie die Umweltfolgen der Gewinnung von Rohmaterialien umfassen, welche oft mit umweltschädlichen Bergbauverfahren und dem Einsatz giftiger Chemikalien verbunden sind (Zewe, 2025).

Zusätzlich verschärft der schnelle Fortschritt der KI-Hardware das Problem der Nachhaltigkeit durch häufige Hardware-Ersetzungen, was schwer recycelbaren Elektronikschrott erzeugt (Brinkman, 2025). Besonders problematisch ist dabei die Abhängigkeit der KI-Chip-Produktion von seltenen Erden, deren Abbau nicht-erneuerbare Ressourcen erschöpft und zu Umweltverschmutzung sowie Lebensraumzerstörung beiträgt (Brinkman, 2025).

Prinzipien und Best Practices für Green AI

Angesichts dieser umfassenden Umweltherausforderungen haben sich verschiedene Ansätze und Best Practices für Green AI entwickelt, die auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen.

Effizienz auf algorithmischer Ebene

Der erste und oft wirksamste Ansatzpunkt für Green AI liegt in der Optimierung der KI-Modelle selbst. Hier erweist sich die Priorisierung kleinerer Modelle als besonders effektive Strategie, da effiziente Architekturen wie DistilBERT demonstrieren, dass kompaktere Modelle mit deutlich weniger Ressourcen eine vergleichbare Leistung erzielen können (Sanh, 2019).

Ergänzend dazu können fortgeschrittene Optimierungstechniken den Ressourcenbedarf weiter reduzieren. Techniken wie Modellpruning – bei dem redundante Verbindungen systematisch entfernt werden – und Quantisierung, die die numerische Präzision von Berechnungen reduziert, können den Rechenaufwand ohne spürbare Leistungseinbußen erheblich verringern (AIQURIS, 2025; GAO, 2025).

Darüber hinaus stellt die strategische Wiederverwendung vortrainierter Modelle anstatt des Trainings von Grund auf eine weitere wichtige Effizienzmaßnahme dar, die den anfänglichen Rechenaufwand erheblich reduziert (VerifyWise, 2025). Parallel dazu trägt die Begrenzung von Overfitting durch early stopping zur Gesamteffizienz bei und verhindert verschwenderische Rechenzyklen (VerifyWise, 2025).

Hardware-Innovationen und nachhaltige Rechenzentren

Neben algorithmischen Verbesserungen bietet die Hardware-Ebene enormes Optimierungspotenzial. Investitionen in energieeffiziente Prozessoren wie TPUs oder spezialisierte CPUs sind dabei unerlässlich, um den Energieverbrauch sowohl während des Trainings als auch der Inferenz zu minimieren (AIQURIS, 2025).

Besonders bedeutsam erweisen sich in diesem Kontext SSDs (Solid-State Drives) als entscheidende Komponenten zur Verbesserung der Energieeffizienz, da sie im Vergleich zu traditionellen HDDs nicht nur deutlich weniger Strom verbrauchen, sondern auch erheblich schneller arbeiten (Baker, 2025).

Darüber hinaus revolutionieren neue Technologien wie CXL (Compute Express Link) die Effizienz von KI-Systemen, indem sie die Speicherkapazität und Bandbreite verbessern, die GPU-Auslastung erhöhen und gleichzeitig den Energieverbrauch reduzieren (Baker, 2025). Parallel dazu entwickeln sich intelligente Speichersysteme, die KI-Algorithmen zur dynamischen Verwaltung von Datenplatzierung, Bandbreitennutzung und Stromverbrauch integrieren, als entscheidende Komponenten für die nächste Generation von KI-Rechenzentren (Baker, 2025).

Schließlich können fortschrittliche Flüssigkeitskühlsysteme wie das Immersive Liquid Cooling System die Gesamteffizienz weiter verbessern, indem sie den traditionell hohen Energiebedarf für die Kühlung von KI-Servern deutlich reduzieren.

Einsatz erneuerbarer Energien und geografische Optimierung

Während technische Optimierungen wichtig sind, spielt die Energiequelle für Rechenzentren eine noch fundamentalere Rolle für die Nachhaltigkeit von KI-Systemen. Eine konsequente Umstellung von Rechenzentren auf erneuerbare Energiequellen ist daher entscheidend, um sicherzustellen, dass KI-Operationen wirklich nachhaltig betrieben werden.

Ein praktischer Schritt in diese Richtung ist die bewusste Nutzung grüner Cloud-Anbieter, die konsequent auf erneuerbare Energien setzen. Ergänzend dazu kann die zeitliche Optimierung erhebliche Verbesserungen bewirken: Die strategische Planung des Modelltrainings während Stunden geringer Kohlenstoffintensität im Stromnetz kann den ökologischen Fußabdruck messbar reduzieren (VerifyWise, 2025).

Noch wirkungsvoller ist jedoch eine geografische Optimierung der KI-Infrastruktur. Die gezielte Platzierung von KI-Rechenzentren in Regionen mit reichlich erneuerbarer Energie wie Island kann die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen erheblich reduzieren. Diese Strategie lässt sich durch moderne Cloud-Technologien noch weiter optimieren: Cloud-Anbieter können KI-Aufgaben dynamisch an Orte verlagern, an denen erneuerbare Energie zu einem bestimmten Zeitpunkt am besten verfügbar ist (Galarza, 2025).

Transparenz und Messbarkeit von Umweltauswirkungen

All diese technischen und strategischen Maßnahmen sind jedoch nur dann wirklich effektiv, wenn sie auf einer soliden Basis von Transparenz und Messbarkeit aufbauen. Ohne präzise Daten bleiben Fortschritte vage und die Rechenschaftspflicht gering. Daher ist die systematische Durchführung von Energieaudits zur Messung des Kohlenstoff-Fußabdrucks von KI-Systemen und zur Identifizierung von Ineffizienzen von grundlegender Bedeutung (AIQURIS, 2025).

Zur praktischen Umsetzung dieser Transparenz ermöglicht der Einsatz spezialisierter Tools, wie z.B. der Carbontracker vom Green-AI Hub, eine präzise Überwachung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen. Ein ermutigendes Beispiel für diese Praxis hat Hugging Face geschaffen, indem es einen wichtigen Präzedenzfall etablierte und die Treibhausgase einiger seiner Modelle veröffentlichte (VerifyWise, 2025).

Aufbauend auf solchen Beispielen sollten Unternehmen systematisch umfassende Umweltverträglichkeitsberichte veröffentlichen, die Energiequellen, Lebenszyklusemissionen und Kompensationsbemühungen detailliert darlegen (Brinkman, 2025). Die Bedeutung dieser Transparenz wird durch das US Government Accountability Office unterstrichen, das hervorhebt, dass fehlende Daten derzeit ein großes Problem darstellen (GAO, 2025), was die dringende Notwendigkeit standardisierter Messungen und Berichterstattung unterstreicht.

Vorteile und Chancen von Green AI

Trotz aller Herausforderungen bietet Green AI nicht nur Lösungen für Umweltprobleme, sondern eröffnet auch bedeutende Chancen in verschiedenen Bereichen.

Umweltschutz und Ressourceneffizienz

Der offensichtlichste Vorteil von Green AI liegt in der direkten Optimierung des Ressourcenverbrauchs und der Reduzierung der Umweltbelastung durch den Einsatz fortschrittlicher Algorithmen und Datenanalysen. Dabei können Industrien nicht nur den Energieverbrauch minimieren, sondern gleichzeitig die Abfallerzeugung und den Treibhausgasausstoß reduzieren sowie Produktionsprozesse optimieren.

Ein besonders beeindruckendes Beispiel für diese Möglichkeiten liefert Google, das durch den strategischen Einsatz von KI-Algorithmen zur Optimierung seiner Kühlsysteme den Energieverbrauch seiner Rechenzentren um 40% senken konnte (OneAdvanced PR, 2025).

Diese individuellen Erfolge summieren sich zu systemweiten Verbesserungen: Die Verbesserung der Energieeffizienz in verschiedenen Sektoren führt sowohl zu reduzierten Treibhausgasemissionen als auch zu niedrigeren Betriebskosten. Intelligente Energienetze, Precision Farming und energieeffiziente Fertigungsprozesse tragen alle zu einer besseren Ressourcenschonung bei und demonstrieren das Potenzial von Green AI für umfassende systemweite Verbesserungen.

Wirtschaftliche und Wettbewerbsvorteile

Parallel zu den Umweltvorteilen entstehen auch erhebliche wirtschaftliche Chancen. Die Umweltvorteile von Green AI – Energieeffizienz, Ressourceneffizienz und Verringerung der Treibhausgasemissionen – führen direkt zu messbaren Kosteneinsparungen und sind daher gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile. Die Einführung von Green AI fördert darüber hinaus die Innovations- und Wettbewerbskultur in Unternehmen. Dadurch können Unternehmen neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entwickeln, die bei zunehmend umweltbewussten Verbrauchern starken Anklang finden. Dies kann Tech-Firmen dabei helfen, eine Führungsposition in Technologie, Ethik und Nachhaltigkeit gleichzeitig einzunehmen (Brinkman, 2025).

Diese Positionierung wird besonders relevant, da die Generation Z verstärkt Transparenz bezüglich der Umweltkosten von KI fordert und bewusst Unternehmen bevorzugt, die aktiv Maßnahmen zur Minderung ihrer Auswirkungen ergreifen (Brinkman, 2025).

Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung und Klimaresilienz

Auf einer noch grundlegenderen Ebene bietet Green AI eine gute Möglichkeit, Wirtschaftswachstum systematisch von Umweltzerstörung zu entkoppeln. Durch die Förderung nachhaltiger Praktiken und Innovationen ermöglicht Green AI Industrien, weiterhin Wachstum zu erzielen und gleichzeitig ihren ökologischen Fußabdruck zu minimieren.

Diese Transformation erstreckt sich von nachhaltigem Lieferkettenmanagement bis zur Entwicklung grüner Infrastruktur und erleichtert so den systematischen Übergang zum nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Wirtschaften. Gleichzeitig schafft Green AI neue wirtschaftliche Möglichkeiten und fördert das Beschäftigungswachstum in verschiedenen Branchen, da die Nachfrage nach Fachkräften in Datenwissenschaft, KI-Entwicklung und Umweltmanagement kontinuierlich steigt (ToXSL Technologies Pvt. Ltd., 2025).

Diese „doppelte Dividende“ – sowohl die Reduzierung der eigenen Kosten als auch die Befähigung anderer zu Nachhaltigkeitslösungen – positioniert Green AI als zentralen Hebel für eine umfassende grüne Transformation der Wirtschaft.

Herausforderungen und der Weg nach vorn

Trotz aller vielversprechenden Vorteile und Chancen steht die praktische Implementierung von Green AI vor erheblichen Herausforderungen, die einen strukturierten Ansatz erfordern.

Aktuelle Hürden bei der Implementierung

Eine der grundlegendsten Hürden liegt in der Datenqualität, da voreingenommene, unvollständige oder ungenaue Daten zu schlechten Ergebnissen führen und nachhaltige KI-Praktiken systematisch behindern können (OneAdvanced PR, 2025). Parallel dazu bleibt die schiere Rechenleistung eine zentrale Herausforderung, da KI-Modelle nach wie vor erhebliche Rechenleistung erfordern, was unweigerlich zu hohem Energieverbrauch und einem großen Ausstoß von Treibhausgasen führt.

Zusätzlich verschärft sich das Problem des Hardware-Recyclings kontinuierlich mit der wachsenden Menge an Elektronikschrott, der schwer zu recyceln ist (OneAdvanced PR, 2025). Ein weiterer kritischer Faktor ist der nach wie vor bestehende Mangel an Bewusstsein: Unternehmen und Entwickler verstehen oft weder die Bedeutung noch den praktischen Implementierungsprozess von nachhaltiger KI ausreichend (OneAdvanced PR, 2025).

Erschwerend kommt hinzu, dass die genaue Schätzung der Umweltauswirkungen von generativer KI aufgrund fehlender Daten und der mangelnden Bereitschaft von Entwicklern, proprietäre Informationen offenzulegen, nach wie vor schwierig ist (GAO, 2025).

Besonders tückisch erweist sich dabei der sogenannte „Rebound-Effekt“: Effizienzgewinne könnten paradoxerweise durch den gleichzeitigen Anstieg der Nachfrage nach KI-Diensten völlig zunichte gemacht werden (GAO, 2025; Galarza, 2025). Wenn KI effizienter und damit kostengünstiger wird, wird sie in mehr Anwendungen eingesetzt und von mehr Nutzern verwendet, wodurch die Einsparungen pro Einheit durch die massive Zunahme der Einheiten kompensiert werden. Diese Dynamik bedeutet, dass Green AI nicht nur eine technische, sondern auch eine regulatorische und verhaltensbezogene Herausforderung darstellt.

Politische Rahmenbedingungen und Regulierungen

Angesichts dieser komplexen Herausforderungen erkennen Regierungen weltweit zunehmend die Bedeutung der Etablierung umfassender Green AI-Politiken. Ein gutes Beispiel hierfür war der AI Action Summit in Paris, bei dem 60 Nationen, darunter China und Indien eine gemeinsame Erklärung unterzeichneten, die sich für eine inklusive und nachhaltige KI-Entwicklung einsetzt (Wikipedia, 2025).

Parallel dazu betonen die KI-Regulierungen der Europäischen Union verstärkt die Notwendigkeit von Transparenz, Rechenschaftspflicht und Inklusivität im KI-Sektor, was Unternehmen systematisch zu nachhaltigeren Praktiken anleitet (AIQURIS, 2025).

Auf einer praktischeren Ebene identifiziert der umfassende GAO-Bericht konkrete politische Optionen zur Verbesserung der Datenerfassung und -berichterstattung, zur Förderung von Innovationen und zur direkten Reduzierung von Umweltauswirkungen (GAO, 2025). Diese Empfehlungen umfassen sowohl die systematische Ermutigung der Industrie, Daten über den Umwelteinfluss der Hardwareproduktion und -entsorgung zu teilen, als auch die verpflichtende Bereitstellung von Informationen über Modell-Details, Infrastruktur, Energie- und Wasserverbrauch sowie Treibhausgase durch Entwickler.

Die Rolle aller Stakeholder

Die erfolgreiche Förderung von Green AI erfordert jedoch eine koordinierte und gemeinsame Anstrengung aller beteiligten Stakeholder. Forschung und Industrie sind dabei aufgerufen, ihre Anstrengungen zur Entwicklung effizienterer Hardware und Infrastruktur deutlich zu verstärken (GAO, 2025). Gleichzeitig ist die intensive Erforschung technischer Methoden zur Reduzierung von Umweltauswirkungen, unterstützt durch systematisch verbesserte Datenerfassung und -berichterstattung, von entscheidender Bedeutung für den Gesamterfolg.

Eine besonders wichtige und oft unterschätzte Rolle spielen dabei die Verbraucher, insbesondere die Generation Z, als zunehmend wichti

ge treibende Kraft für Transparenz und Nachhaltigkeit. Ihre bewussten Präferenzen können Unternehmen effektiv dazu anspornen, nachhaltige Praktiken zu integrieren, und machen Green AI zu einem echten Wettbewerbsvorteil.

Dieser externe Druck von Verbraucherseite kann sich als deutlich effektiver erweisen als interne Compliance-Bemühungen allein und könnte langfristig zu einem „Race to the Top“ in Sachen Nachhaltigkeit führen, von dem die gesamte Branche profitiert.

Quellenverzeichnis

AIQURIS. (2025). Green AI: Policies and Practices for a Sustainable Future. Verfügbar unter: Green AI: Policies and Practices for a Sustainable Future (Zuletzt aufgerufen: 10. Juni 2025).

Baker, J.B. (2025). AI’s Energy Demands: Addressing Sustainability and Technological Advancements in Data Centers. In: Analytics Magazine. Verfügbar unter: AI’s Energy Demands: Addressing Sustainability and Technological Advancements in Data Centers | Analytics Magazine (Zuletzt aufgerufen: 10. Juni 2025).

Brinkman, C. (2025). Green AI Is a Competitive Advantage — Here’s Why It Matters. Verfügbar unter: Green AI Is a Competitive Advantage — Here’s Why It Matters (Zuletzt aufgerufen: 10. Juni 2025).

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EBA-Leitlinien zum ESG-Risikomanagement

Inhaltsverzeichnis

 

Trotz der im Rahmen des Omnibus-Verfahrens angekündigten Reduktion der Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung bleibt der Druck – insbesondere auf den Finanzsektor – hoch: Klimawandel, Umweltzerstörung und soziale Ungleichgewichte verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fundamental. Um diesen Entwicklungen zu begegnen, hat die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) am 8. Januar 2025 ihre finalen Leitlinien zum Management von Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken (ESG-Risiken) veröffentlicht und damit einen bedeutenden Schritt zur Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in das Risikomanagement von Finanzinstituten unternommen. Die Leitlinien schaffen einen einheitlichen europäischen Standard und werden für alle Banken verpflichtend. Große Institute müssen die Vorschriften bis zum 11. Januar 2026 umsetzen, kleine und nicht komplexe Institute haben dafür bis zum 11. Januar 2027 Zeit (European Banking Authority, 2025).

Der folgende Bericht bietet einen Überblick über die EBA-Leitlinien, deren zentrale Anforderungen, Implementierungszeitpläne und Herausforderungen.

 

Entwicklung und rechtlicher Rahmen der EBA-Leitlinien

Mitte Januar 2024 veröffentlichte die EBA ihr Konsultationspapier „Draft Guidelines on the management of ESG risks“, welches kommentiert werden konnte (European Banking Authority, 2024). Nach Abschluss dieser Konsultationsphase wurden die finalen Leitlinien am 8. Januar 2025 veröffentlicht. Dieser Entwicklungsprozess steht im Einklang mit der übergreifenden EBA-Roadmap für nachhaltige Finanzen und reflektiert die zunehmende Bedeutung von ESG-Faktoren im europäischen Finanzsektor (European Banking Authority, 2022).

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Abbildung 1: Key objectives of the EBA’s Roadmap on Sustainable Finance; Quelle: European Banking Authority (2022)

Die EBA-Leitlinien dienen dazu, die in der Eigenkapitalrichtlinie (CRD6) festgelegten Anforderungen zu ESG-Risiken weiter zu konkretisieren und deren Umsetzung in der Praxis zu erleichtern (Europäisches Parlament, 2024). Im Gegensatz zu anderen EU-Nachhaltigkeitsvorschriften wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder der vorgeschlagenen Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD), die sich primär auf die Vereinbarkeit von Geschäftsmodellen mit den Klima- und Nachhaltigkeitszielen der EU konzentrieren, fokussieren sich die EBA-Leitlinien explizit auf die Integration von ESG-Risiken in die Geschäftsstrategien und Risikomanagementprozesse von Finanzinstituten (Europäische Kommission, n.d.).

 

Wann treten die EBA-Vorgaben in Kraft?

Die Umsetzung der EBA-Leitlinien erfolgt in einem gestaffelten Zeitplan. Ab Januar 2026 werden die Leitlinien für die meisten Kreditinstitute verbindlich, während kleinere und nicht-komplexe Institute bis Januar 2027 Zeit für die vollständige Implementierung haben. Diese differenzierte Herangehensweise berücksichtigt die unterschiedlichen Ressourcen und Kapazitäten der betroffenen Institute.

Neben der Integration in die internen Prozesse und Risikosteuerung zielen die Leitlinien auch darauf ab, die Transparenz gegenüber dem Markt zu erhöhen und spielen deshalb direkt in die ESG-Berichterstattung nach Säule 3 des Baseler Rahmenwerks hinein. Diese wurde bereits ab Januar 2025 auf alle EU-Banken ausgeweitet, einschließlich der etwa 2.000 weniger bedeutenden Institute (LSI). Die EBA hat für diese Berichterstattung strukturierte Vorlagen eingeführt, die wichtige Kennzahlen wie die Green Asset Ratio (GAR) und die Banking Book Taxonomy Alignment Ratio (BTAR) umfassen. Diese standardisierten Berichtsformate sollen die Konsistenz und Vergleichbarkeit der offengelegten Informationen gewährleisten (European Banking Authority, 2022).

 

Wie integrieren Finanzinstitute ESG-Risiken nach den Leitlinien?

Ein zentrales Element der EBA-Leitlinien ist die verpflichtende Durchführung einer umfassenden Materialitätsbewertung von ESG-Risiken. Diese muss jährlich erfolgen (bei kleinen Instituten alle zwei Jahre) und einen Zeithorizont von mindestens zehn Jahren abdecken. Dabei sind kurzfristige (weniger als drei Jahre), mittelfristige (drei bis fünf Jahre) und langfristige (mindestens zehn Jahre) Zeiträume zu berücksichtigen. Die mehrschichtige Betrachtung trägt dem Umstand Rechnung, dass ESG-Risiken oft schleichend entstehen und ihre finanziellen Auswirkungen sich über unterschiedlich lange Zeiträume hinweg entfalten – von kurzfristigen Marktveränderungen bis hin zu langfristigen strukturellen Verschiebungen, wobei eine systematische ESG-Risikobewertung als methodisches Fundament dienen kann.

Die EBA-Leitlinien definieren dabei drei komplementäre methodische Ansätze zur Bewertung von ESG-Risiken:

  1. Exposurebasierter Ansatz: ESG-Faktoren müssen systematisch in Kreditentscheidungen und Risikoklassifikationen integriert werden. Institute sollen gezielt die Anfälligkeit („exposure“) der Aktivitäten und Schlüsselvermögenswerte ihrer Geschäftspartner gegenüber Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken bewerten und diese Risiken sowohl in interne Risikomodelle und Ratings als auch in die Bewertung von Sicherheiten („valuation of collateral“) einfließen lassen.

  2. Szenarienbasierter Ansatz: Institute sollen szenariobasierte Analysen einsetzen, um ihre Resilienz gegenüber ESG-Risiken – beginnend mit klimabezogenen Risiken – unter verschiedenen wissenschaftlich fundierten Szenarien zu testen.

  3. Portfoliobasierter Ansatz: Institute sollen sektor- und portfoliobasierte Methoden wie Heatmaps nutzen, um ESG-Risikokonzentrationen sichtbar zu machen und gezielt zu steuern. Sie bewerten die Auswirkungen ihrer Portfolios auf Klima- und Nachhaltigkeitsziele und prüfen die Ausrichtung an wissenschaftlich fundierten Klimapfaden. Die Ergebnisse fließen in Risikosteuerung, Strategie und Übergangsplanung ein.

Die Kombination dieser Methoden soll eine umfassende Bewertung von ESG-Risiken ermöglichen und alle wesentlichen Risikoarten, einschließlich Kredit-, Geschäftsmodell- und Konzentrationsrisiken, berücksichtigen.

Ein weiterer Kernaspekt der Leitlinien ist die vollständige Integration von ESG-Risiken in die bestehenden Risikomanagementprozesse. ESG-Risiken dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen in die Risikostrategie, die Risikolimitierung sowie die internen Prozesse zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit eingebettet werden. Im Rahmen des ICAAP, dem internen Prozess zur Beurteilung der Kapitaladäquanz, sind alle wesentlichen ESG-Risiken angemessen zu berücksichtigen. Im ILAAP, dem internen Prozess zur Beurteilung der Liquiditätsadäquanz, liegt der Fokus hingegen zunächst auf der Einbeziehung umweltbezogener (Environmental) Risiken. Zudem müssen Finanzinstitute klare kurz-, mittel- und langfristige Ziele zur Risikominimierung definieren, um ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber ESG-Risiken zu stärken (European Banking Authority, 2025).

 

Vor welche Herausforderungen werden die Finanzinstitue gestellt?

Die neuen EBA-Leitlinien stellen Banken vor erhebliche Herausforderungen bei der Integration von ESG-Risiken in ihre Geschäftsmodelle und Risikomanagementprozesse. Besonders anspruchsvoll ist die Entwicklung und Implementierung von Methoden zur Bewertung von ESG-Risiken über unterschiedliche Zeithorizonte hinweg. Finanzinstitute müssen ihre Dateninfrastruktur und analytischen Fähigkeiten weiterentwickeln, um die geforderten Materialitätsbewertungen durchführen zu können.

Ein zentrales Hindernis ist die hohe Komplexität der Erhebung, Standardisierung und Aggregation von ESG-Daten. Besonders herausfordernd ist die konsistente Messung von Emissionsdaten, etwa im Bereich der Scope-3-Emissionen und finanzierten Emissionen, die oft aus unterschiedlichen und schwer vergleichbaren Quellen stammen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bereiten sich Banken durch den Aufbau von ESG-Disclosure-Komitees, also unternehmensinternen Gremien zur Koordination und Freigabe von ESG-Offenlegungen, zentralen Datenmanagementstrukturen, Klimadaten-Mapping und Berichtsbereitschaftsprüfungen vor (KPMG, n.d.).

Eine weitere zentrale Herausforderung stellt die Durchführung von szenariobasierten Analysen dar. Banken müssen die Auswirkungen von ESG-Risiken, insbesondere klimabezogenen Risiken, über langfristige Zeiträume von mindestens zehn Jahren hinweg bewerten. Dafür fehlen häufig geeignete Modelle, belastbare Datengrundlagen und wissenschaftlich fundierte Szenarien. Zudem sind viele Institute traditionell auf kurzfristige Planungszyklen ausgerichtet, wodurch die Entwicklung belastbarer Langfristszenarien zusätzliche methodische und organisatorische Anpassungen erfordert.

Fazit

Die EBA-Leitlinien zum Management von ESG-Risiken stellen einen wichtigen Meilenstein in der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in den europäischen Bankensektor dar. Mit ihrer verbindlichen Einführung ab 2026 (bzw. 2027 für kleinere Institute) schaffen sie einen einheitlichen Rahmen für das Management von Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken und tragen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems gegenüber ESG-bezogenen Herausforderungen bei.

Die Leitlinien verdeutlichen, dass ESG-Risiken als integraler Bestandteil des Risikomanagements von Finanzinstituten betrachtet werden müssen und nicht als separates Themenfeld behandelt werden können. Ihr umfassender Ansatz, der sowohl klimabezogene als auch soziale und Governance-Aspekte umfasst, spiegelt die ganzheitliche Natur von Nachhaltigkeitsrisiken wider.

Für Banken bedeutet die Umsetzung der EBA-Leitlinien einen kontinuierlichen Prozess der Anpassung und Weiterentwicklung ihrer Risikomanagementpraktiken. Zu den größten Herausforderungen zählen der Aufbau robuster Dateninfrastrukturen, die konsistente Erhebung und Aggregation von ESG-Daten, die Durchführung langfristiger Szenarioanalysen sowie die vollständige Integration von ESG-Risiken in bestehende Risikosteuerungssysteme. Die Komplexität dieser Aufgaben erfordert Investitionen in Fachwissen, Prozesse und Technologien.

Angesichts dieser Anforderungen gewinnen automatisierte Berichtslösungen und KI-gestützte Plattformen zunehmend an Bedeutung. Sie können die Datenaggregation vereinfachen, die Genauigkeit der Berichterstattung verbessern und den manuellen Aufwand reduzieren. KI wird damit zu einem wichtigen strategischen Hebel, um ESG-Risiken effizient zu identifizieren, zu bewerten und zu steuern – und Banken bei der erfolgreichen Umsetzung der regulatorischen und unternehmerischen Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen.

 

Quellenverzeichnis

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European Banking Authority (2025). EBA veröffentlicht finale Leitlinien zum Management von ESG-Risiken. [Online] Verfügbar unter: The EBA publishes its final Guidelines on the management of ESG risks | European Banking Authority [Zugriff am 18. Apr. 2025].

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